Oberschule

Oberschule in Sachsen: Schluss mit Mittelmäßigkeit?

Für alle Studenten und Referendare, die das Lehramt an Mittelschulen in Sachsen angestrebt haben, ist das eine schlechte Nachricht: sie werden keine Mittelschullehrer. Seit dem Schuljahr 2013/2014, dass am Montag in Sachsen beginnt, können sie sich auf das Dasein eines Oberschullehrers freuen. In Anbetracht der wenigen Anwärter für das Mittelschullehramt (ca. 10% der Referendare Sachsens 2013) ist das scheinbar zu verschmerzen. Die mächtige FDP setzt damit ein Zeichen und realisiert einen Teil des Koalitionsvertrags mit der CDU.

Doch wird die Bildung und Erziehung an den bisherigen Mittelschulen besser, nur weil die Schulen neue Stempel anfertigen müssen, auf denen künftig ein erhabener Name prangt? Good bye Mittelmaß, hello Bildung auf Topniveau? Was ändert sich denn konkret? 
  • Praxisberater in 50 ausgewählten Schulen ab 2014
  • Förderung von Schülern in Leistungsgruppen
  • Zweite Fremdsprache wird eingeführt
  • Bildungsempfehlungen nun auch nach der 6. Klasse
  • 55 neue Lehrer werden eingestellt
  • 335 Mittelschulen drucken neue Schilder, Stempel, Briefköpfe etc.

Ich muss ganz ehrlich sagen, bis es heute im Radio lief, noch nichts davon gehört zu haben. In der universitären Lehre für das Lehramt an Gymnasien ist nichts davon angekommen. Die reinen Fakten klingen ja recht lieblich, aber was bringen sie wirklich?
Mit den Praxisberatern zieht in 15% der Mittelschulen, äh pardon: Oberschulen die Arbeitsagentur ein, könnte man meinen. Die errichtet ihre Außenstelle nun also mit einem Mitarbeiter direkt in den Schulen und soll damit die maßgeschneiderte Aubsbildung oder die perfekte Berufsberatung für jeden Schüler bieten. Klingt schön und könnte den ein oder anderen Lehrer entlasten. In anderen Ländern ist das allerdings längst Standard und nicht nur in den USA gibt es solche Berater an den Highschools. Was halten wir also davon? In Anbetracht der geringen Abdeckung ein . Wie genau die neuen Leistungsgruppen realisiert werden ist auch unklar. Der MDR zitiert die ehemalige Schulleiterin und heutige Kultusministerien Brunhild Kurth wiefolgt:

Das Angebot richtet sich danach, wo der Einzelne die größte Unterstützung braucht. Das kann ein bestimmtes Fach sein oder beispielsweise auch Methodentraining.

An anderer Stelle liest man, dass sich diese Angebote an Leistungsstarke wenden, die weiter gefördert werden sollen um den Sprung zum Gymnasium zu schaffen. Man findet aber auch, dass die Schüler dieses Angebot wahrnehmen können nicht müssen. Heißt im Klartext und im schlimmsten Fall, dass die Leistungsschere weiter wächst und es innerhalb der Mittelschule eine Ober- und eine Unterschue gibt? Hoffen wir es nicht .
Außerdem soll eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium ausgesprochen werden, wenn der Schnitt in den Kernfächern 2,0 beträgt und in allen anderen nicht schlechter als 2,5. Die Schüler hatten natürlich schon vorher die Möglichkeit zu wechseln. Damit sollen, so die Theorie wohl auch die sogenannten Spätzünder die Chance auf das Gymnasium bekommen. Ob der Wechsel dann erfolgreich ist, steht auf einem anderen Blatt. Es bleibt der Eindruck, dass das Reförmchen die besseren Schüler weiter fördern will und die Unterschiede zwischen Gymnasium und Mittelschule aufweichen will.
Und wie sieht es mit den anderen Verbesserungen aus? Die zweite Fremdsprache wurde bereits in 70% der Schulen angeboten, bevor die Regierung dies beschloss, aber insgesamt ist diese Verbindlichkeit sicher positiv zu bewerten . 55 neue Lehrer bedeuten 0,15 neue Lehrer an jeder Oberschule. Da springt statistisch gesehen also ein Arm oder ein Bein eines Lehrers für jede Schule raus. Und noch kein Wort davon, ob die Altersabgänge zuvor ausgeglichen worden sind. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn sächsische Mittelschulen brauchen vermutlich mehr als das.

Im Fazit lässt sich festhalten, dass dieses Reförmchen viel Gerede um wenig Veränderung ist. Immerhin sind die Reformen neuer oder alter Regierungen in den neuen Bundesländern nicht mehr so gravierend (mit all ihren Mängeln), wie dies in den 90er Jahren der Fall war. Aber außer einem neuen, schillernden Namen bringt die Reform zum neuen Schuljahr den Mittelschülern wenig. Hätte man die Mittelschule in „Tolle Schule“ umbenannt, wäre der Effekt dergleiche, aber wenigstens gäbe es dann Gelächter.

Quellen
  • Leipziger Internet Zeitung – SMK: Schuljahr 2013/14 -Oberschule startet in Sachsen. 21.08.2013
  • Leipziger Internet Zeitung – Oberschule Sachen: Der Etikettenschwindel geht weiter. 05.07.2013
  • MDR – Die neue Oberschule in Sachsen. Aufgerufen am 23.08.2013
Wer sich noch ein wenig belesen und amüsieren will, findet im offiziellen Flyer (Link) der FDP wortgewandte Floskeln.

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