Die perfekte Abi-Vorbereitung

Die perfekte Abi-Vorbereitung

Heute ist der Tag gekommen. Deutschabitur. Das Erreichen der allgemeinen Hochschulreife, 12 Jahre hat er darauf hingearbeitet. Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt sich nach zwei Jahren Oberstufe schon lange nicht mehr, die wird erst im Juni nach den Prüfungen beantwortet. Doch bis dahin bleibt eine Frage: Wie übersteht man eine 300-minütige Klausur? – also fünf Stunden schwallartiger Gehirn-Vomitus bei geregelten Toilettenzeiten – ohne zu verhungern?

Vier Jahre Plüschsocken und Möhrchen

Nach vier Jahren Aufsicht während schriftlicher Abiturprüfungen lernt ihr nun Peter Pauker kennen. Peter vereint alle Erfahrungen und Beobachtungen aus den letzten Jahren und muss daher perfekt auf seine Abiturprüfung vorbereitet sein.

Peter Pauker hat sich ein Jahr intensiv vorbereitet. In Brainstormings auf dem Pausenhof, WhatsApp-Gruppen mit seinen Mitschülern und in enger Abstimmung mit Experten – den Vorjahres-Abiturienten. Er hat alles minutiös geplant, ist auf alle Eventualitäten gefasst. Bei seinen Abiturprüfungen wird nichts schief gehen – er wird die 300-minütige Deutschprüfung überleben – und nicht verhungern.

Jogginghose 🗸, Hoodie 🗸 , Adiletten 🗸

Am Morgen des Deutsch-Abis macht sich Peter früh auf den Weg. In Jogginghose und Hoodie fällt er in der Straßenbahn kaum auf, nur auf die Adiletten schielt der ein oder andere – aber die will er nachher sowieso ausziehen, schließlich hat er extra Kuschelsocken eingepackt.

In der Schule angekommen wird Peter sein Platz zugewiesen, ganz hinten im Raum, an der Wand soll er sitzen. Perfekte Umweltbedingungen für das folgende Unterfangen, denkt er sich noch. Gemächlich befreit er die Getränketheke aus der Discountertüte. Eine Flasche grünen Tee, ein halber Liter Mate-Limo, der Smoothie, den Oma noch mitgegeben hat und zwei Wasserflaschen in medium und still finden ihren Platz. Nachdem auch das Red Bull und der Kaffeebecher positioniert sind, ist zum Glück noch etwas Platz für den Rest.

Abiprüfung: Die Stunde der Brotbüchsen

Endlich kommt Peter zum Kern seiner Vorbereitungen. Die drei Brotbüchsen, die Mutti & Vati ihm mitgegeben haben, lassen sich optimal stapeln. Darin erwartet ihn eine feinste Selektion von Obst, erlesene Möhren, Paprika und Gurken sowie handgeschmierte Stullen.

Das Brotmesser

Eigentlich wollte er auch ein Brot, Schneidebrett und sein Glücksbrotmesser einpacken, aber das hat der Oberstufenberater in der Abiturbelehrung explizit verboten. Das muss wohl Peters Bruder vor drei Jahren gewesen sein. Daher hat sich Peter schlussendlich für ein Toastbrot (Format Vollkorn-Sandwich) entschieden, das ist immerhin schon geschnitten. Nun noch die vier Bananen neben seinem Lieblings-Knäckebrot arrangieren und es ist vollbracht. 50% des Tischs sind belegt, der Rest reicht völlig für die vier Aufgabenblätter und die acht Seiten, die Peter dazu im Verlauf der Prüfung schreiben wird.

Aber da fehlt doch noch etwas! Den Anspitzer, den Traubenzucker und die Schokolade legt er auf dem Stuhl neben sich ab. Für die Stabilo-Stifte in allen Farben des Regenbogens ist sogar auch noch eine Ecke frei. Prüfend begutachtet Peter seinen Aufbau und stellt fest, dass er bereit ist. Mit einem Kopfschütteln bedenkt er den Aufbau seiner Leidensgenossin links neben ihm; lediglich Wasser, Traubenzucker und den Kuscheltierelefanten vom Jahrmarkt, den sie an der Losbude gewonnen hat. Dextrose in Plättchenform – man könnte meinen, das Produkt wurde eigens für Abiturienten und Studenten konzipiert, denkt Peter noch.

Stifte bereit? Alles bereit!

Immerhin hat Peter es vor der Prüfung noch zum Bäcker geschafft und sich das belegte Doppelbrötchen mit Ei und Schnitzel besorgen können. Nach dreißig Minuten Prüfungszeit, er hat sich gerade für eine Aufgabenstellung entschieden, zieht er es voller Vorfreude aus der Papiertüte – die knistert so schön.

Nichts unvorbereitet lassen

Ganz kurz muss Peter an die jeweils 8 Ersatzbatterien in den Ausführungen AAA, AA, 9V-Block und Flachbatterie denken, die er beim kommenden Mathe Abi zusätzlich mitbringen muss. Die liegen noch in der Schublade zu Hause und sollen seinen Alleskönner-Taschenrechner vor dem Ausfall bewahren.

Dabei entgehen ihm nicht die Blicke der beiden Lehrer, die ihn beaufsichtigen. So ganz deuten kann er sie nicht – ist das Zorn, Unverständnis oder was bedeutet das Kopfschütteln? Schlussendlich ist er sich sicher, dass es sich um neidische Blicke handeln muss. Genau die gleichen neidvollen Blicke hatte er von seinen Mitschülern bemerkt, als er in das knusprige Schnitzelbrötchen gebissen hatte.

Als Peter die Aufgaben um 12:56 Uhr abgibt, fallen ihm erst die Fettflecken auf dem Deckblatt und der Schokoladenfleck auf Seite 5 auf. Die Krümel von Seite 2 kann er noch wegfegen. Nach 296 Minuten Abiturprüfung ist ihm das aber egal, immerhin hat er alles Menschenmögliche für ein gutes Ergebnis getan.

Erschöpft, aber glücklich packt Peter seinen Proviant zurück in die Tüte, neben einem Schluck Wasser und dem Brötchen ist zum Glück noch alles gut verpackt und verschlossen, er hat beinahe nichts angerührt – schließlich war bei der Aufgabenstellung gar keine Zeit dafür.

Tatsächlich nicht in 300 Minuten verhungert

Als der Lehrer nach der Prüfung auf ihn zukommt und ihn fragt, wann er sein Picknick denn vertilgen wollte, schmunzelt Peter nur in sich hinein. Immerhin war er es, der auch im Fall eines plötzlich hereinbrechenden Schneesturms während der Prüfung, die sie eine Woche von der Außenwelt abgeschnitten hätte, gerüstet gewesen wäre. Herr Jott, der noch eine Obergrenze für Abiturtischflächen im Sinn hat, hätte keinen Bissen abbekommen!

Auf dem Rückweg nach Hause weiß Peter es schließlich: mit seiner Geschäftsidee wird er reich, da ist er sicher. Während er die Vorräte, wieder zu Hause angekommen, bis zur nächsten Prüfung verstaut, träumt er von dem Grundversorger für’s Abitur. Mit seiner Onlineplattform wird er Komplettpakete mit Vorbereitungsheften, Motivationsmails und Lunchboxen in den Größen S – XXL vertreiben – das Rundumsorglos-Paket für Abiturienten.

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