So schnell wird man zum Diktator

So schnell wird man zum Diktator

Normalerweise habe ich donnerstags einen etwas anstrengenderen Tag als sonst. Bei drei Doppelstunden Sport hintereinander mit Sporthallenwechsel innerhalb der Mittagspause sind nicht nur die Nerven stärker beansprucht als sonst, sondern der Tag muss gut organisiert sein, da nicht viel Zeit für anderes bleibt. Nun lief das heute komischerweise etwas anders. Der Unterricht ging gut von der Hand, die Planungen gingen auf und die Schüler haben weitestgehend das gemacht, was sie sollten. Als Sahnehäubchen ging es meiner Stimme für einen Donnerstag erstaunlich gut, was sich jedoch gegen Ende meines Arbeitstages ändern sollte.

Badminton spielen will gelernt sein

Berufsschule, drittes Lehrjahr, Badminton. Ich kenne die Klasse schon seit dem erste Ausbildungsjahr und habe mir eingebildet, bisher in den Sportarten Volleyball und Basketball schon einiges an motorisch nicht vorhandenen Fertigkeiten verbessert zu haben. Mit dem Beginn der Sportart Badminton musste ich mich aber eines Besseren belehren lassen. Die Planungen der ersten Stunden waren derart daneben, dass ich dezent anfing an mir zu zweifeln. Ich konnte nicht verstehen, wie ein Mensch unter 25 Jahren nicht in der Lage sein kann, einen Federball zwei Meter weit mit einem Schläger zu schlagen ohne dabei sich und andere Schüler ernsthaft zu gefährden. So kommt es, dass ich die Klasse seit nun drei Schulwochen damit beschäftigte, einfache Vor- und Rückhandschläge halbwegs brauchbar über das Netz zu spielen.

Von Grundschlägen zum Dikator

Die Schüler sollten mit Ihrem Partner, nachdem Sie sich den Ball über Kopf zugespielt hatten, nur Schläge ausführen, bei denen Sie den Ball unter der Netzkante treffen. Mir fiel ein Pärchen auf, nennen wir sie Herbert und Klaus, welches die Aufgabe konsequent ignorierte und weiter die vorhergehende Aufgabe durchführte, weil „es grad so gut lief“. Ich forderte besagtes Pärchen auf, der aktuellen Aufgabe zu folgen, als Klaus mir die Gegenfrage stellte, warum er das machen solle. Ich erwiderte ihm, entgegen aller pädagogischen Konzepte von Fairness und Transparenz, dass ich die Übung so angesagt habe und er Grundschläge üben müsse. Daraufhin, so hatte ich das Gefühl, kam Klaus in Form:

Klaus: „Ja genau! So war das damals bei Hitler auch! Da hat auch nie jemand was hinterfragt!“

Ich: „Du hast mich doch jetzt nicht gerade enrsthaft mit Adolf Hitler verglichen, oder?!“

Klaus: „Nein, Nein! Ich habe Ihre Unterrichtsmethoden kritisiert!“

Da war dann der Punkt gekommen, wo ich nicht mehr wusste, was ich sagen soll. Ich entschloss mich spontan die Sache mit Humor zu nehmen und erklärte Klaus, dass ich erstmal weggehen und mir die andere Schüler beim Üben anschauen werde.

Ich weiß ja mittlerweile, dass man bei Berufsschülern auf Einiges gefasst sein muss, aber das war auch für mich ein neues Level.

Zum Abschluss sei vielleicht gesagt, dass Klaus und ich im Guten auseinander gegangen sind. Ich kenne Ihn schon seit zwei Jahren und weiß, dass das nicht ganz ernst gemeint war. Meiner Stimme ging es nach einem kleinen Räuspern auch wieder ganz anständig.

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