Streiche für den Klassenlehrer

Sie spielen Streiche – aber wie!

Meine fünfte Klasse ist in der neuen Schule angekommen. Nach sechs Wochen fühlen sie sich langsam so wohl, dass die erste Scheu abgelegt ist. Erstes Symptom: die Klasse treibt Schabernack mit mir – aber wie! Angedroht wurden ganz im Stile von Max und Moritz sieben Streiche und ich warte neugierig auf den Nächsten. Dabei liegt die Stärke der Streiche am ehesten in ihrer Einfachheit und der Ausführung mit der gesamten Klasse. Mich freut dabei vor allem die Art und Weise des gemeinsamen Miteinanders.

Die Klasse wird kreativ

Sieben Streiche (Max und Moritz)

Sieben Streiche sollen es werden, wie bei Max und Moritz.

Siebe Streiche sollen es also werden. Bisher war es leider erst einer. Als in der vergangenen Woche zu meiner Doppelstunde Mathe stapfte erwartete mich die gesamte Klasse vor dem Klassenzimmer. Alle saßen auf dem Boden – eigentlich auch viel zu ruhig für so eine Meute. Normalerweise sind die Klassenräume offen und nicht abgeschlossen, ich erkundigte mich also ob denn der Raum abgeschlossen sei. Er war natürlich offen, der „Streich“ bestand also darin, dass ich einen offenen Raum aufschließen wollte und mich wunderte. Die Klasse hat herzlich gelacht, weil ihr Streich gelungen war. Im Vorfeld waren natürlich schon zig Lehrer am Raum und der wartenden Klasse vorbei gegangen und hatten angeboten den Raum aufzuschließen. Es wussten also einige Kollegen Bescheid und fragten nach der Stunde, wie ich denn den „ausgeklügelten Streich“ fand. Zuerst habe ich mir gar nicht so viel daraus gemacht. So einen harmlosen Streich muss man immerhin erst einmal erleben. Das spannende passierte nämlich danach.

Die eigentliche Geschichte

In der folgenden Stunde wurde ich schon auf dem Gang auf dem Weg zum Klassenzimmer begrüßt. Ein Schüler kam mir entgegengeeilt und fragte doch wirklich:

Dürfen wir Ihnen heute wieder einen Streich spielen?

Ich war von der Frage so überrascht worden – wer fragt vorher schon nach – das ich ausprobieren wollte was wohl passiert, wenn ich Nein sage.

Also so richtig passt das heute nicht, wir haben schließlich eine ganze Menge im Unterricht vor.

Der Schuler spurtete sofort los um den Raum vor mir zu erreichen und … hat den Streich dann tatsächlich durch wildes Fuchteln mit den Armen und ein vereinbartes Zeichen abgeblasen. Unfassbar. Wer fragt denn vorher nach, ob man einen Streich spielen darf und sagt ihn dann tatsächlich ab? Ich bin von meinen Schützlingen schwer angetan. So viel Höflichkeit und ein respektvoller Umgang sind ja keineswegs selbstverständlich. Die Klasse hatte bei ihren 1 1/2 Streichen natürlich trotzdem Spaß. Mich beeindruckt vor allem, dass alle mitgemacht und gelacht haben und sich meine 25 schon nach sechs Wochen selbst organisieren.

 

Wann geht es endlich weiter?

Daher warte ich tatsächlich ungeduldig auf den nächsten Streich oder die nächste Überraschung. Inzwischen habe ich eine zweiwöchige Durststrecke hinter mir und bin kurz davor die Klasse dazu zu ermutigen –  naja, nennen wir es mal erkundigen nach dem nächsten Streich. Stattdessen erwartet mich nun eine vorbereitete Tafel für die tägliche Übung – ohne dass es einmal von mir angeregt wurde. Auch nicht schlecht. Da kann ich unsere gemeinsame Klassenfahrt im Oktober eigentlich kaum abwarten. Zeit für Streiche sollte genug sein und um uns besser kennenzulernen und als Klassenverband zusammen zu wachsen. Die ersten Anzeichen für das Zusammenwachsen sind schließlich wirklich erfreulich.

 

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